Pflanzenbau ist mehr als Düngung und Nitrat
agumenda/ Februar 28, 2026
Autor: Marc Büchner und Markus Theiß
Der letzte Freitag im Februar ist traditionell für die Pflanzenbautagung des LfULG im Groitzscher Hof in Klipphausen reserviert. Dies galt in diesem Jahr auch für uns, da die Veranstaltung unter dem Leitthema Gewässerschutz stand.
In der oft heiß geführten Diskussion um Nitratausträge wird berechtigterweise auf die Langwierigkeit des Prozesses verwiesen und dass viele der heute beobachteten Probleme aus Zeiten mit deutlich höherer Tierbesatzdichte stammen, in denen sich kein Mensch Gedanken um Düngebedarfsermittlung, Nmin-Beprobung und Sperrzeiten bei der Düngung gemacht hat.
Anhand der langjährigen Auswertungen der sächsischen Dauertestflächen (seit 1992) konnte Herr Dr. Stahn eindrucksvoll aufzeigen, dass in der sächsischen Landwirtschaft enorme Fortschritte hinsichtlich der Stickstoffausnutzung in der Fläche zu verzeichnen sind. Dies deckt sich mit unseren Erhebungen im Nitratgebiet bzw. den Erfahrungen aus den Betrieben und im Projekt angelegten Praxisdemonstrationen. Da Landwirte im offenen System wirtschaften, welches nun einmal durch unvermeidbare Verluste gekennzeichnet ist, sind die inzwischen seit 2021 mehrjährig beobachteten N-Salden „nahe Null“ mit Blick auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit als zunehmend kritisch anzusehen.
Dass das aktuelle Düngeregime wenig mit den gemessenen Nitratfrachten zu tun hat, konnte Herr Werisch von der Lysimeterstation in Brandis mithilfe von Tracerexperimenten verdeutlichen. Er sprach in seinem Fazit von einem Stickstoffvermächtnis in den landwirtschaftlich genutzt Böden, welches durch die Bewirtschafter nur bedingt zu beeinflussen ist. Der überwiegende Teil des aus der durchwurzelbaren Bodenschicht ausgetragenen Nitrats stammt aus der Mineralisation in den weitgehend vegetationslosen Wintermonaten.
Die von den beiden Fachreferenten präsentierten Ergebnisse bestätigten uns in unserer Auffassung, dass das politische Vorgehen, das Thema Nitrataustragsproblematik hauptsächlich über Düngegesetzgebung „regeln“ zu wollen, der Komplexität der Problematik kaum gerecht wird. Zu diesem Ergebnis kommt auch das JKI in seinem bundesweiten Monitoring von Stickstoffemissionen im Pflanzenbau (siehe auch Fachgespräch Landwirtschaftlicher Gewässerschutz am 13.11.2025).
Ein wirksamer Hebel zur Umsetzung pflanzenbaulicher Maßnahmen bei einem angemessenen Nährstoffeinsatz. Unsere Hoffnung liegt hierbei auch ein Stück weit auf den AUK-Maßnahmen, zu denen die Betriebe aktuell Vorschläge beim LfULG einreichen können.
Dank des belebenden Vortrags von Enrico Jahn, Landwirt aus der Agraset-Agrargenossenschaft in Naundorf, wurde für alle spürbar, wie es ist, wenn jemand seinen Beruf als Berufung ansieht und sich aktiv in die Region einbringt, in der er auch lebt. Ob Schlagteilung auf hoch erosionsanfälligen Flächen, gleichmäßigere Verteilung der Organik über den Betrieb und damit Senkung des Mineraldüngereinsatzes oder auch die Anpassung der Düngung an den Pflanzenbedarf in der Teilfläche bis hin zur Umsetzung eigener Stickstoffsteigerungsversuche. „Einfach mal machen und Erfahrungen sammeln“. Vielen Dank an dieser Stelle auch von uns an Herrn Jahn und seine Mitarbeiter für die immer konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit.
In der anschließenden Pause zeigte sich das eigentliche Potential der Pflanzenbautagung. Dieses besteht unserer Ansicht nach vor allem im persönlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden. Praktisch ein gemeinsamer Start in die Düngesaison.
Für viel Gesprächsstoff eingangs des Jahres sorgten die aktuellen Veränderungen im Düngerecht. Diese ließen zum Start in die Saison 2026 nicht nur uns, sondern auch die Landwirtschaftsbetriebe im Nitratgebiet im Unklaren oder zumindest Ungewissen.
Der folgende Vortrag von Jörg Müller von Berneck zum Thema „Aktueller Stand zum Düngerecht“ lässt sich aus unserer Sicht schnell zusammenfassen. Es ist noch nicht viel klar, es kann noch dauern und es wieder sicherlich wieder Veränderungen geben (müssen), um den Familienfrieden zwischen Bund und EU-Kommission wieder herzustellen.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete wie gewohnt der Vortrag von Herrn Dr. Grunert. Prägend für die Düngeplanung und -umsetzung in diesem Frühjahr dürften die überwiegend sehr hohen Nmin-Werte sein, welche im Mittel von rd. 550 Proben mit 84 kg Nmin/ha in 90 cm Bodentiefe ca. 40 % über dem Mittelwert der Jahre 2021-2025 liegen. Da diese eins zu eins auf die zu düngenden N-Mengen durchschlagen, wurden die Verkündung der Zahlen mit einem Raunen im Saal aufgenommen.
Die Nmin Richtwerte haben wir ihnen hier abgelegt (->Link).
Die Gründe für die erhöhten Werte werden zurzeit viel diskutiert und liegen sicher auch an den geringen Niederschlägen im Herbst und dem bisherigen Winter sowie an den auch bis in den Dezember sehr milden Temperaturen. Standort, Intensität der Bodenbearbeitung, Vorfrucht (v.a. Raps) und im Einzelfall evtl. auch die Qualität der Nmin-Beprobung unter schwierigen Bedingungen spielen sicherlich aber auch eine Rolle.
Wir hätten uns gewünscht, dass den Betrieben noch Empfehlungen, z. B. auf Basis WebBEsyD gegeben worden wären, wie man jetzt damit umgeht.Â
Ob die Startgabe bei Nmin-Werten im Bereich von 100 kg/ha – wie in WebBESyD empfohlen – vollständig weggelassen werden kann, werden wir in unseren Düngestrategieversuchen in Kleinbardau und Groitzsch (-> Link) prüfen.
Wir empfehlen auch bei hohen Nmin-Werten und ungewohnt niedrigen Düngemengen im Bereich von 100 bis 120 kg N/ha zumindest eine moderate Startgabe zur Absicherung der Bestandesdichte und Bereitstellung von pflanzenverfügbarem Schwefel. Da nicht nur die Nmin-Werte deutlich erhöht sind, sondern auch der Smin, kann auch die Schwefeldüngung, insbesondere nach Rapsvorfrucht geringer ausfallen, als in anderen Jahren.
„Hoch-Nmin-Flächen“ können bei entsprechender Bestandesentwicklung auch guten Gewissens zuletzt, auch nach Vegetationsbeginn, gedüngt werden. Die Wirksamkeit des im Labor ermittelten Nmin, lässt sich über die Anlage eines Düngefensters mit wenig Aufwand ermitteln.
Wir wünschen uns für die Pflanzenbautagung 2027 wieder mehr Pflanzenbau und weniger Nitrat und ggfs. auch mehr Zeit für den Austausch unter den aus allen Landesteilen angereisten Teilnehmern. Die Nachlese für die Tagung 2026 finden Sie nach der Veröffentlichung unter folgendem (->Link).
