AchSO, JA!
Erkenntnisse aus dem Mitteldeutschen Sojatag 2026 bei der Gönnatal-agrar eG
Sojabohnen sieht man immer häufiger auf mitteldeutschen Anbauflächen – aber da geht noch was! So argumentierte zumindest die Sojaberaterin Dr. Olena Sobko von SoyBeam beim Mitteldeutschen Sojatag am 10. September in Gönnatal (bei Jena). Denn laut der Anbaueignungskarte des JKI kann die Sojabohne als Fruchtfolgeglied in Deutschland jährlich auf bis zu 803.000 ha angebaut werden, im Jahr 2026 sind es jedoch lediglich 52.000 ha, die in Deutschland mit Soja bestellt wurden. Demnach wird nur 0,25% des Potentials ausgeschöpft, so Frau Dr. Sobko, und das bei steigendem Bedarf nach Sojabohnen. Dieser wird aktuell zu 85% mit Soja vom amerikanischen Kontinent gedeckt, wo die angebaute Sojamenge in den letzten 30 Jahren um 300% gestiegen ist und ein hoher Anteil davon mit genverändertem Saatgut bestritten wird.
Die Abhängigkeit von Sojaimporten könnte also durch eine Steigerung des heimischen Anbaus verringert werden, doch weshalb wird nicht bereits viel mehr Soja in Deutschland angebaut? Frau Dr. Sobko räumte Schwierigkeiten beim Einstieg in den Sojaanbau ein. Es fehlte in Mitteldeutschland noch an:
- Erfahrungsaustausch zu Standortwahl, Aussaat, Ernte und Pflege
- einer flächendeckenden regionalen Sortenempfehlung (denn kältetolerante, standortangepasste Sorten sind bereits verfügbar)
- Vermarktungsstrategien (hierfür kann die Abnehmerkarte der UFOP weiterhelfen
- Wissen zur Beimpfung mit Knöllchenbakterien
Insbesondere der letzte Punkt, das Thema Beimpfung der Sojabohnen, füllte zum Mitteldeutschen Sojatag noch zwei weitere Vorträge. Frau Dr. Mitter von ENSEMO informierte darüber, wie die Knöllchenbakterien mittels Seedjection™ in ihrem Unternehmen direkt unter der Schale der Sojasamen platziert werden, ohne dabei an Keimfähigkeit zu verlieren. Tobias Diehl von Protealis bewarb hingegen das Verfahren MagNFix, bei dem die Bakterienimpfung in Form einer Beize auf die Körner aufgebacht wird und dabei mehrere Monate lagerfähig bleibt. Ohne Impfung kann die Sojabohne ihrer Natur als Leguminose nicht nachgehen und in Symbiose mit den Bakterien Luftstickstoff fixieren. Die für die Sojabohne kompatiblen Bakterien sind in unseren heimischen Böden nicht angesiedelt, weshalb man sie zur Saat mit auf die Fläche bringen muss. Dies kann mit lagerfähigen Bakterienimpfungen wie der von ENSEMO und Protealis erfolgen, viel häufiger jedoch wird die Impfung vor der Saat direkt auf dem Hof des Anbauers vorgenommen. Die Bakterienimpfung kann als Flüssigpräparat, Torfpulver oder Granulat geliefert werden und muss schonend und möglichst ohne Sonneneinstrahlung oder große Temperaturschwankungen aufgebracht werden. Auch möglich ist eine Applikation der Bakterien in die Saatrille, je nach technischen Voraussetzungen der Aussaattechnik. Bei der Bakterienimpfung können jedoch schnell Fehler passieren, sodass sich keine Knöllchen an den Wurzeln der Sojapflanzen bilden und kein Stickstoff fixiert wird. Mit Stickstoff gedüngt werden darf die Sojabohne jedoch als Leguminose auch nicht, wenn keine Knöllchenbildung erfolgt ist.
Aber Achtung, auch mit ausreichender Knöllchenbildung ist die Sojabohne noch längst kein Selbstversorger in Sachen Stickstoff. Sie kann in Symbiose mit den Bakterien nur 60-70% ihres Eigenbedarfes fixieren, der restliche Nährstoffbedarf muss aus der Nachlieferung aus dem Boden kommen. Wie wir selbst bei Nachernte-Nmin-Beprobungen feststellen konnten, hinterlässt die Sojabohne auch für die Folgefrucht keinen so großen Rest-Nmin, wie man es von anderen Leguminosen gewohnt ist.
Doch viele der Probleme, die den Einstieg in den Mitteldeutschen Sojaanbau angehen, sind in Österreich vor allem eines: Gewohnheitssache. Anna Dal Grande von der Donau Soja Organisation berichtete beim Mitteldeutschen Sojatag vom enormen Handelspotential der Sojabohne – und davon, dass in zwei Jahrzehnten Erfahrungsvorsprung in Österreich im Sojaanbau die Schwierigkeiten mit der Bakterienimpfung kein Thema mehr sind.
Die komplette Nachlese zum Mitteldeutschen Sojatag finden Sie hier.
