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Mission Regenwurm – Teil 2

13. Mai 2026
Wieland Ihm

Der Oberboden (0-20 cm Tiefe) der vier Bearbeitungsvarianten mit zwei Wiederholungen wurde in 24 Eimern zur Handauslese transportiert (Abb. 1). Gesucht wurden die in der obersten Bodenschicht lebenden flachgrabenden Regenwurmarten, die ständig neue horizontale Gänge anlegen und dabei organische Substanz mit dem Boden mischen (Abb. 2).

Das Vorkommen der flachgraben Arten ist einerseits an die Verfügbarkeit von organischer Substanz aus Ernteresten und Mikroben und andererseits an passende Feuchtigkeit- und Temperaturbedingungen gekoppelt. In kalten Wintermonaten sowie in trockenen Sommermonaten stellen diese ihre Aktivität ein. Tiefgrabende Arten können sich in ihre vertikale Röhre in den Unterboden zurückziehen und sind ganzjährig aktiv. Im Frühjahr und Herbst ist die Hauptaktivitätszeit aller Regenwürmer – darum wurde nun die Beprobung durchgeführt. Die Frühjahrstrockenheit wurde durch die Niederschläge der letzten Woche abgemildert, sodass wir eine rege Aktivität feststellen konnten und lediglich einen juvenilen Flachgräber in der Ruhephase gefunden haben (Abb. 3).

Die Probenahme am trockenen Vortag sollte sich doppelt auszahlen, denn die trockene Erde ließ sich bei der Suche nach den Bodentieren gut von Hand auseinander krümeln und bei der regnerischen Witterung haben wir dankenswerterweise vom Betrieb Loberaue Agrar Unterstützung erhalten (Abb. 4).

Im Anschluss wurden die Individuen je Probestelle von 0,125 m² gezählt, nach ihrer Altersstruktur in juvenil (jugendlich) bzw. adult (erwachsen) erfasst und als Gesamtheit der Probe gewogen (Abb. 5). Ebenso wurden die am Vortag ausgetriebenen tiefgrabenden Regenwürmer erfasst. Auf eine Bestimmung der Arten der adulten Tiere wurde verzichtet und der Fokus auf die Verteilung nach Lebensformtypen gesetzt. In Tabelle 1 sind die Ergebnisse jeweils auf einen Quadratmeter hochgerechnet.

Tabelle 1: Ergebnisse der Regenwurmauszählung

Die beiden Mulchsaat-Varianten wiesen eine deutlich geringe Biomasse von unter 20 g je m² auf und auch deutlich weniger adulte Tiere.

Die Population kann möglicherweise direkt durch Einfluss von intensiv mischender Bodenbearbeitung in der Hauptaktivitätszeit geschädigt worden sein. Indirekt können unterschiedliche Ertragsniveaus der Vorfrucht und damit Erntereste als Futter sowie Wasserverbrauch der Kultur die Population als Jahreseffekte beeinflussen.

Beim Austrieb der tiefgrabenden Regenwürmer konnten nur in der Variante Direktsaat lebende Tiere gefunden werden, was die Bedeutung von Bodenruhe und Futterangebot an der Oberfläche für diese Lebensform unterstreicht. Es konnten jedoch in allen Varianten Röhren der Tiefgräber freigelegt werden, die das Leben der Regenwürmer überdauern und sich somit langfristig positiv auf Wasser- und Lufthaushalt auswirken.

Der Winterweizenbestand präsentierte sich über alle Bodenbearbeitungsvarianten gleichmäßig entwickelt. Weitere Untersuchungen sollten im Herbst oder im nächsten Frühjahr die Wechselwirkung zwischen Bodenbearbeitung und Regenwurmpopulation betrachten.

Die tiefgrabenden Regenwürmer lassen sich aktuell in Dämmerungsstunden und in der Nacht bei feuchten Bedingungen auf der Bodenoberfläche finden – versuchen Sie doch mal in den Sommerungen ohne dichten Bestand die vibrationsempfindlichen Bodenhelfer zu finden. Wenn sich gerade zwei Exemplare innig aneinander schmiegen, diese besser nicht beim Paarungsakt stören – es könnten ihre zukünftigen Mitarbeiter im Tiefbau werden…