Rindergülle besser nutzbar machen – Praxisdemonstration im Landwirtschaftsbetrieb Martin Röttig angelegt
Die Separation trockensubstanzreicher Rohgüllen stellt eine sinnvolle Möglichkeit dar, um die in viehhaltenden Betrieben anfallenden Nährstoffe besser zur Wirkung zu bringen und gleichmäßiger auf der Gesamtbetriebsfläche zu verteilen.
Vor diesem Hintergrund arbeiten wir seit letztem Jahr intensiv mit Oliver Böhme von der Firma Vogelsang zu diesem Thema zusammen. Nach mehreren gemeinsamen Technikvorführungen mit dem mobilen Pressschneckenseparator XSplit in Beratungsbetrieben, setzen wir das Verfahren in diesem Frühjahr als Praxisdemonstration bei unserem langjährigen „Versuchsbetrieb“ Martin Röttig in Rossau bei Hainichen um. Zielstellung ist es, die nach erfolgter Separation verbesserten Anwendungs-eigenschaften des betriebseigenen flüssigen organischen Düngers bei der Anwendung im Weizenbestand aufzuzeigen.
Aus dem Güllekeller über den Separator direkt ins Fass
Seit mehreren Jahren fährt der Betrieb Röttig die in der Schweinehaltung anfallende dünne und ammoniumreiche Gülle mit seinem 14 m3-Fass (Garant Kotte) und Bomech-Schleppschuhverteiler (9 m Arbeitsbreite) konsequent in das stehende Getreide. Die oftmals dickflüssige Rindergülle aus dem Milchviehstall kommt hierfür nur in Ausnahmefällen in Betracht. Deren Einsatzschwerpunkt liegt im Frühjahr auf den Silomais- und Zuckerrübenflächen und im Spätsommer auf dem Raps. Hier kann die Organik eingearbeitet werden.
Da die Düngung vor allem zu den Sommerkulturen in den letzten Jahren reduziert wurde, ist es ein wesentliches Anliegen des Landwirtes, die betriebseigene Rindergülle auch für die Kopfdüngung im Getreide und Grünland besser nutzbar zu machen. Der hierfür zu Testzwecken einbestellte Xsplit war „pünktlich auf die Minute“ um 9:00 Uhr direkt am Milchviehstall (rd. 100 Melkende) des Betriebes aufgebaut und vom Vogelsang-Experten für die Aufbereitung der „Versuchsgülle“ vorbereitet (Abbildung 1).
Um die Technik gleich von Anfang an auf Herz und Nieren prüfen zu können, wurde die Milchviehgülle ohne vorheriges Aufrühren direkt aus dem Güllekeller angesaugt. Der Trockensubstanzgehalt der Ausgangsgülle dürfte dabei stellenweise deutlich über 6-8 % gelegen haben, was auch der grasbetonten Fütterung der Milchkuhherde zuzuschreiben ist. Vom Pressschneckenseparator wurde die Dünnphase direkt in das Ausbringfass geleitet, während die Festphase zunächst mit der Schaufel aufgefangen wurde und letztlich im Miststreuer landete.
Während bei vorangegangen Technikvorführungen mit unterschiedlichen Siebgrößen experimentiert wurde, entschied sich Oliver Böhme in Rossau direkt für das 2 mm Sieb. Dies habe sich inzwischen so bewährt und stelle den besten Kompromiss aus hoher Durchsatzleistung (25 bis 30 m3/h) und ausreichendem Trockensubstanzgehalt in der Festphase dar (Abbildung 2). Als das erste Fass voll war, ging es direkt auf das 2 km entfernte Versuchsfeld.
Vergleich der Düngewirkung im Weizen
Um die Wartezeit bis zum Gülletermin zu überbrücken, erhielt der nach Gerstenvorfrucht angebaute Weizen (Polarkap) in der Schönwetterphase Anfang März zunächst eine schlageinheitliche Startgabe mit AHL (40 kg N/ha).
Die verdichtungsempfindlichen Lehmböden im Betrieb sind in normalen Jahren ab der zweiten Märzhälfte mit Gülletechnik befahrbar. Ist der Boden entsprechend abgetrocknet, verzeiht auch der Weizen das mehrfache Überrollen von Traktor und Tandemfass. Sind diese Bedingungen gegeben, ist es umso wichtiger, dass die Organik schnell in den Boden „einzieht“.
Da der Schlag, auf dem wir den Junglandwirt bereits bei seiner Technikerarbeit im Raps begleitet haben, leicht kupiert ist, wurden planmäßig je zwei Parzellen für die separierte Dünnphase und zwei Parzellen für die Rohgülle abgesteckt (Abbildung 3 und 4). Bei einer Ausbringmenge von 23 m3/ha (ca. 60 kg N/ha) wurden mit jedem Fass insgesamt 4 Bahnen auf 150 m Länge gefahren (ca. 0,55 ha Parzelle) gefahren. In der Mitte wurde Platz für die mineralische Vergleichsvariante gelassen, welche Ihre Gabe am Folgetag erhielt. Um die letztlich ausgebrachten Nährstoffmengen im Versuch kalkulieren zu können, wurden direkt bei Ausbringung Proben genommen. Sollten deutliche Abweichungen im Gehalt an pflanzenverfügbarem Ammoniumgehalt bestehen, können durch die gewählte Versuchsanlage die Varianten mithilfe einer Streukarte mit dem ausstehenden Mineraldüngerkontingent „gleichgezogen“ werden.
Volles Versuchsprogramm bis zur Ernte
Ab April wird die Fläche bis zur letzten Düngergabe im Mai fortlaufend mit dem Nitratschnelltest begleitet. Weiterhin sind komplexe Pflanzenanalysen zum Zeitpunkt des Schossens angedacht. Die bereits am Tage der Ausbringung deutlich sichtbaren Unterschiede in den Fließeigenschaften der unbehandelten Rohgülle (Abbildung 6) und der aufbereiteten Dünnphase (Abbildung 5) dürften sich in nächster Zeit sowohl optisch als auch in den festgestellten Nährstoffkonzentrationen der Weizenpflanzen widerspiegeln.
Wir bedanken uns bei Martin Röttig und Oliver Böhme für die gewohnt reibungslose Zusammenarbeit und freuen uns darauf, im April oder Mai wieder vom Versuchsfeld in Rossau zu berichten.
