Streifenlockerungssaat im nordsächsischen Trockengebiet – Systemvergleich im LVG Köllitsch
Nachdem im letzten Jahr erste Versuche zur Streifenlockerungssaat auf mehreren Betrieben mit gemischten Ergebnissen gestartet sind, beginnt darauf aufbauend aktuell ein Feldversuch zur angepassten Bodenbearbeitung im Nitrat- und Trockengebiet im nordsächsischen Köllitsch. Dort sollen unter den typischen Trockenbedingungen ganzflächige und streifenweise Bodenbearbeitung mehrfach wiederholt in einem dauerhaft pfluglos bewirtschafteten Praxisschlag verglichen werden. Durch Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Versuchsgut ist eine exakte Datenerfassung gewährleistet, die für Berufskollegen wertvolle Erkenntnisse zur künftigen Ausrichtung von Bodenbearbeitungs- und Aussaattechnik liefern soll. Der Versuch soll langfristige Effekte der Streifenlockerungssaat anhand der ortsüblichen Fruchtfolge abbilden und beginnt mit Winterraps.
Die bevorstehende Rapsaussaat rückt die Frage nach der passenden Bodenbearbeitung in den Fokus. Das Ziel ist ein Bodengefüge ohne Schadverdichtungen mit intakter Struktur für kapillaren Wasseraufstieg zum Saatkorn, damit das Auflaufen unabhängig von Regenereignissen gelingt.
Intensive Lockerung verspricht einerseits die Mineralisation von Stickstoff aus der organischen Bodensubstanz anzukurbeln sowie mit lockerem Gefüge die Etablierung der Rapswurzeln zu bevorteilen. Andererseits steigt mit zunehmender Bearbeitungstiefe und -intensität die unproduktive Verdunstung. Die bereits niedrigen Bodenwassergehalte werden zum begrenzenden Faktor für die sichere Etablierung von Winterraps. Zudem soll durch die Strohbedeckung die Erhitzung der Bodenoberfläche gemindert werden. Im vergangenen Jahr hat dieses Phänomen auf dunklem Boden die Keimung des Rapses verzögert und zu ungleichmäßigen Beständen geführt.
Erste Arbeiten im Versuch sind mit Probennahme von Nmin und Stoppelmanagement direkt nach der Ernte angelaufen. Die Vorfrucht Hafer musste mit hoher Stoppel gedroschen werden, da trotz reifem Korn das Stroh noch grün und feucht war. Die rund 30 cm langen Stoppeln bergen das Risiko von Verstopfungen bei nachfolgenden Arbeitsgängen sowie dienen einzelne Versuchsstreifen Mäusen als Rückzugsraum vor Greifvögeln. Darum wurde die Stoppel zuerst mit einem Großflächenmulcher eingekürzt und anschließend mit dem Strohstriegel diagonal bearbeitet. Das Striegeln dient der Strohverteilung des gehäckselten Strohs bei gleichzeitigem Erhalt der Bodenbedeckung. Der am Standort vorherrschende Lehmboden weist bei der Feldbegehung etwa 2 bis 3 Wochen vor Aussaat trotz Niederschlägen von 25 l/m eine harte Bodenoberfläche auf. Die Bodenbedeckung konnte den Niederschlag gut infiltrieren lassen und hilft nun die Bodenfeuchte zu konservieren (Abbildung 1).
Der sommertrockene Lehmboden stellt sich bei der Abwurfprobe als recht kompakt, aber strukturiert dar. Aufgrund hoher Tonanteile ist dieser Zustand normal und wird vorwiegend durch Schrumpf- und Quellungsvorgänge beeinflusst. Als Entscheidungsgrundlage für die Bodenbearbeitung soll eine Gefügeansprache durchgeführt werden. Im Idealfall schafft das wiederholte Striegeln ausreichend Feinerde unter dem Strohmulch, in dem Samenunkräuter entweder keimen und mechanisch gestört werden oder wieder vertrocknen. Eine Herausforderung für den Systemvergleich der pfluglosen Bewirtschaftung werden ausdauernde Wurzelunkräuter, da im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch bereits langjährig auf Glyphosat verzichtet wird und Disteln in den einjährigen Blühbrachen Kraft schöpfen können. In Teilbereichen treiben 14 Tage nach der Ernte Ackerkratzdisteln aus (Abbildung 2).
Die Bekämpfung soll in beiden Varianten durch ein flaches Abschneiden mit einem Flachgrubber erfolgen. Zur wurzeltiefen Bekämpfung würde sonst üblicherweise Glyphosat eingesetzt werden, was im LVG nicht möglich ist. In diesem Arbeitsgang wird zuvor ausgebrachte Rindergülle eingearbeitet. Unterschiedlich wird sich die Grundbodenbearbeitung und Aussaat gestalten: Betriebsüblich wird im absätzigen Verfahren mit einem Grubber der Boden ganzflächig bearbeitet und intensiv gemischt. Anschließend wird die Aussaat mit der Kreiseleggen-Säkombination Lemken Solitär durchgeführt. Im Verfahren Streifenlockerungssaat erfolgt die Lockerung und Aussaat in einem Arbeitsgang mit der Maschine Claydon Hybrid-T6. Dabei lockern im Reihenabstand von 30 cm ein schmaler Zinken den Boden, gefolgt von einem zweiten Zinken mit Gänsefußschar zur Ablage des Saatgutes beidseitig neben dem Lockerungsschlitz.
Die Aussaat ist ab dem 17.08. mit einer Vorführmaschine von S&L-Connect geplant. Kurzentschlossene sind gern bei der Aussaat gesehen. Wir informieren auf den bekannten Wegen.
